Tues–Thurs, 3 p.m.–6 p.m., and by arrangement
Eine Welt aus dichtem, zähflüssigem Wasser, fast unbeeinflusst von der Schwerkraft. So lässt sich die Umgebung von Biomolekülen im Nanometerbereich (1 mm = 1.000.000 nm) beschreiben. Mit Messgeräten haben wir Menschen einen Zugang zu dieser sonst unsichtbaren Sphäre geschaffen. Kleinste elektromagnetische Wellen, UV-Licht, Röntgenstrahlen und Elektronen ertasten molekulare Strukturen. Sie generieren wissenschaftliche Bilder: verschlüsselte, geisterhafte Muster. Simulationen des genetischen Codes.
Die Ausstellung “Proteopoesie, oder: In kleinsten Wellen” verbindet transmediale Installation, Dichtung und Bio-Nanotechnologie. Ausgang ist das Gedicht “Fühlen nach Licht” von Pai Litzenberger, das ausschließlich mit Buchstaben verfasst wurde, die Aminosäuren repräsentieren. Es reflektiert die sensuelle Isolation eines DNA-Origami-Geistes, der sich wünscht, seine Umgebung wahrnehmen zu können. Das Gedicht dient als Code für ein fiktives De-Novo-Protein, das dem Geist das Empfinden von Licht ermöglichen soll.
In einer umfangreichen künstlerischen Recherche hat sich Pai Litzenberger Werkzeuge aus der naturwissenschaftlichen Forschung an Proteinen und DNA angeeignet. Mit überwiegend computerbasierten und teils KI-gestützten Programmen wurden so imaginative Kreaturen geschaffen. Aus DNA wird ein Geist, aus Protein ein Gedanke: fragil, temporär, transformativ.
Ein großer Dank gilt Dr. Jan Gebauer (Universität zu Köln), Dr. Clara Schoeder und Team (Universität Leipzig) und Julia Hann und Mathis Janßen (Fraunhofer ENAS, Technische Universität Chemnitz).