17. April 2026
30. May

Leman Sevda Darıcıoğlu: Mourning in Laughter

Leman Sevda Darıcıoğlu
Address:
Ebertplatzpassage, Laden 1
50668 Köln
Special opening hours:

täglich 16 – 20 Uhr

Directions:
Ebertplatz (Stadtbahn 12 / 15 / 16 / 18) / Hansaring (S-Bahn 6 / 11 / 12 / 13 / 19, RB 25)
Events
17. April 2026
19:00 h
Opening: Eröffnung mit Performance
DIe Künstlerin ist anwesend und macht eine Performance.
Leman Sevda Darıcıoğlu: Mourning in Laughter
kuratiert von Mehveş Ungan

Die Nekropolitik bestimmt nicht nur, wer in diesem System leiden und wer überleben wird, sondern entwertet auch die Rituale des Todes. Dadurch werden Menschen zu Zahlen reduziert und ihre verlorenen Leben werden „unbetrauerbar“. Wie Judith Butler feststellt, zeigt sich daran, wie weit Enteignung gehen kann.
Die Tode der Verletzlichsten, verursacht durch schreckliche, systematische Gewalt, werden nicht betrauert. Leman Sevda Darıcıoğlus neues Projekt ist eine direkte Reaktion darauf: Es feiert die Trauer um verlorene Angehörige als Form des Widerstands gegen das Auslöschen von Erinnerung. Das Projekt konzentriert sich auf die Friedhöfe der „Kimsesiz“ in der Türkei, auf denen verlassene Tote begraben werden.
Im Mittelpunkt des Mehrkanal-Videos „From the Lines of Difference“ stehen queere, feministische, flüchtlingspolitische und kurdische Bewegungen, die die Verstorbenen zurückfordern und ihrer gedenken. Es vereint Archivmaterialien und gemeinschaftlich geteilte Archive, die mit einer von der Künstlerin entwickelten Technik bearbeitet wurden, die sie „queere Trauer“ nennt, sowie Interviews mit Aktivist:innen aus diesen Bewegungen. Wenn möglich, werden die Erinnerungen an die Begrabenen durch Erzählungen ihrer Freund:innen wieder sichtbar gemacht. Geschichten und Schweigen aus diesen Gemeinschaften werden mit übergeordneten Fragen nach Gerechtigkeit, Zugehörigkeit und dem Wert des Lebens verwoben.
Die durative Performance „An Act of Accompaniment” inszeniert ein Trauerritual: Im Ausstellungsraum wird ein Stein gewaschen und gepflegt – eine Referenz zu Trauerpraktiken in Südwestasien, bei denen Familie und Gemeinschaft sieben Tage lang im Haus der verstorbenen Person zusammenbleiben. Die zurückbleibenden Spuren erweitern die Arbeit über den Live-Akt hinaus und schaffen einen gemeinsamen zeitlichen und affektiven Raum, den das Publikum zusammen mit dem Video betreten kann.

Leman Sevda Darıcıoğlu (Berlin & Istanbul) ist eine multidisziplinäre Künstlerin, die sich mit lang andauernden Live-Performances, Videos, Installationen und öffentlichen Interventionen beschäftigt.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen die Verletzlichkeit und der Widerstand marginalisierter Menschen. Leman lässt sich dabei von Archiven, Gemeinschaftsnetzwerken und queeren Einzelpraktiken inspirieren. Ihre künstlerische Forschung wird von einer tiefen Auseinandersetzung mit der Geschichte von Gewalt und Widerstandsbewegungen angetrieben, wobei sie diese Narrative aus einer eindeutig südwestasiatischen Perspektive hinterfragt und neu interpretiert. Leman hat einen Master in „Live Art Forms” von der AdBKNürnberg, den sie mit Auszeichnung abgeschlossen hat und erhielt den DAAD- Preis 2024.
Für ihre Arbeit erhielten sie im Laufe ihrer Karriere mehrere Stipendien und Auszeichnungen,zuletzt waren sie Stipendiat der Gwaetler Stiftung (2025). Ihre Arbeiten wurden unter anderem in der Pickle Bar, Berlin, der Door Foundation, Amsterdam,Ornamenta24, Pforzheim,dem Bärenzwinger, Berlin, dem ICA, London, SALT, Istanbul und dem Schwulen Museum, Berlin, gezeigt.

Mehveş Ungan ist Kuratorin und Kunstvermittlerin und arbeitet derzeit an der Kunsthalle Trier. Sie studierte Philosophie und Europäische Kunstgeschichte in Heidelberg sowie im Masterstudiengang Art in a Global Context an der Freien Universität Berlin. Ihre kuratorische Praxis basiert auf intersektionalen, feministischen, ökologischen und dekolonialen Ansätzen.
Am Heidelberger Kunstverein kuratierte sie die feministische Gruppenausstellung Sex Reenchanted, die acht internationale Künstler:innen zusammenbrachte und das Verhältnis von erotischem Erbe und Emanzipation von westlichen Denkweisen untersuchte. Zudem co-kuratierte sie Matter of Alliances, eine Ausstellung zu ökofeministischen und dekolonialen Praktiken.
Als Kunstvermittlerin war sie in der Berliner Kunstszene tätig, unter anderem an der Deutsche Bank Kunsthalle, im Haus am Waldsee, im Kindl – Zentrum für zeitgenössische Kunst und bei Kunstsäle Berlin.