Eine Umfrage zur Situation der freien Kunstinitiativen

Im Frühjahr 2026 hat AIC eine Umfrage unter rund 40 Kunstinitiativen in Köln durchgeführt, um für die kulturpolitische Arbeit eine valide Basis zu haben. Die Auswertung liegt nun vor und wurde am 25.06.2026 im Ausschuss für Kunst und Kultur der Stadt Köln vorgestellt.

AIC – Kunstinitiativen Köln e.V. setzt sich für die Förderung und Vernetzung der Freien Kunsträume und -initiativen in Köln ein. Aufgrund der haushaltspolitischen Entwicklungen der Stadtverwaltung Köln in den letzten Jahren und mit Ausblick auf die kommenden Jahre sehen wir Handlungsbedarf. Um besser zu verstehen, wie die Kunstinitiativen in Köln aufgestellt sind, wie sie arbeiten, welche Bedürfnisse sie haben und welche Faktoren ihre Arbeit ermöglichen oder begrenzen hat AIC – Kunstinitiativen Köln e.V. im Frühjahr 2026 eine Umfrage durchgeführt. Die Antworten machen Daten und Perspektiven abbildbar und geben eine valide Orientierung für die Weiterentwicklung der Freien Szene Bildende Kunst.

Die gesamte Auswertung der Umfrage kann hier als PDF heruntergeladen werden: 2026-aic-umfrage_situation-kunstinitiativen-koln.pdf

Alle Antworten und Daten wurden anonymisiert.

AUSWERTUNG
Die Kunstinitiativen in der Stadt
Die meisten der über 40 Kunstinitiativen in Köln sind Mitglied im AIC – Kunstinitiativen Köln e. V. und im Bezirk Innenstadt verortet (52 %). Die anderen Kunstinitiativen sind gleichmäßig auf die anderen Bezirke verteilt, wobei die Dichte in den Bezirken Chorweiler und Lindenthal am geringsten ist. Die meisten Kunstinitiativen (86,96 %) haben einen festen Ausstellungsraum, fünf Kunstinitiativen arbeiten ohne festen Ort. Im Vergleich zu anderen Kunstinstitutionen, Galerien, etc. wirken die Kunstinitiativen stärker in die Fläche des gesamten Stadtgebiets.

Gründung und Betreiber*innen
Von den aktuell bestehenden Kunstinitiativen wurden mit Abstand die meisten nach 2010 gegründet, wobei allein seit 2020 fast ein Viertel aller Kunstinitiativen begründet wurden. Aber auch Kunstinitiativen, die seit 20 Jahren und mehr bestehen sind nach wie vor aktiv. Hier ist besonders die teilweise Kontinuität von weit über 30 Jahren hervorzuheben. (…)
In den Kunstinitiativen arbeiten knapp 60% in Gruppen von bis zu 10 Personen, deutlich häufiger sind es max. 5 Personen. Davon arbeitet die überwiegende Mehrheit ehrenamtlich und unbezahlt.

Besucher*innen und Programm
Mit jeweils überwiegend 5-10 Ausstellungen und bis zu 10 Veranstaltungen (Performance, Lesung, Diskussion/Gespräch, Geführte Tour usw.) sowie bis zu 1.000 Besuchern im Jahr (bei 54,55% der Kunstinitiativen), stellen die Kunstinitiativen ein dichtes Programm auf, dass dem von städtischen Institutionen nicht nachsteht.

Inhaltliche Ausrichtung
Der inhaltliche Schwerpunkt liegt in der Förderung und Präsentation von zeitgenössischer Kunst in seiner ganzen Breite, etwa Malerei, Fotografie, Installation, Video/Film, Performances, Skulptur, Zeichnung, Klangkunst aber auch eine Verschränkung mit anderen Sparten mit Konzerten, Lesungen, Filmvorführungen, Theater oder Tanz sowie die Vermittlung in Formaten wie etwa Gesprächen oder Workshops. Netzwerke geben internationalen und lokalen Positionen in Ausstellungen eine Öffentlichkeit; Neuproduktionen für Ausstellungen werden ermöglicht.

Dritte Orte im Veedel
Bis zu 75% verstehen ihre Kunstinitiativen primär als Diskursraum, der niederschwellig Kunst im Veedel vermittelt. Darüber hinaus sind die
Kunstinitiativen Treffpunkte und experimentelle Dritte Orte.

Jahresbudget
Das tatsächliche Jahresbudget liegt bei 58 % der Kunstinitiativen zwischen 5.000 € und 20.000 €. Ein realistisches Jahresbudget liegt laut einer Mehrheit von 68 % zwischen 10.000 € und 50.000 €.

Künstler*innenhonorare
Die meisten Kunstinitiativen zahlen nach eigenem Ermessen Honorare an die Künstler*innen. Ein Teil orientiert sich dabei an Leitlinien wie etwa des BBK oder des MKW, kann die empfohlenen Sätze aber nicht zahlen. Vielen Kunstinitiativen fehlen daher die finanziellen Ressourcen, um angemessene Honorare zu bezahlen. Teilweise wird versucht dies über Verkäufe von Kunst zu kompensieren. Als nichtkommerzielle Räume sind Einkünfte über Verkäufe jedoch keine verlässliche Einnahme.

Herausforderungen
In den meisten Kunstinitiativen wird die Arbeitsenergie mit 75 % in die Finanzierung des Programms gesteckt und damit noch höher
eingeschätzt als die Zweckverwirklichung im Organisieren von Ausstellungen (55%). Ebenso werden als größte Herausforderungen die Finanzierung (41,86%) und die Suche nach Engagierten/Personal (20,93%) angegeben.
Erleichtern würde dies eine nachhaltige, finanzielle Förderung (80%), die auch eine spürbare Anerkennung des Engagements und der Arbeit wäre.

Förderungen
Bei Förderungen ist die Finanzielle Förderung mit Abstand am wichtigsten (80%) und hier die Förderung von Stadt (84,21%) vor der Kunststiftung NRW (42,11%), eingenommenen Spenden (31,58%) oder der Bezirksregierung (26,32%).

Fazit
Die Kunstinitiativen in Köln sind über Jahrzehnte gewachsen und bilden in mit ihrem dichten Angebot eine Brücke zwischen den städtischen Museen und den kommerziellen Galerien. Die Anzahl der Kunstinitiativen in Köln war, im Vergleich zu anderen Städten, immer schon außergewöhnlich hoch und bildet eine liberale, am Austausch interessierte Stadtgesellschaft ab.
Als Dritte Orte sind sie Diskurräume, in denen zeitgenössische Kunst verhandelt und gefördert wird, lange bevor diese in musealen Kontexten rezipiert wird. Sie sind über das ganze Stadtgebiet verteilt, wirken in die Breite und bieten für viele Menschen die erste Begegnung mit Gegenwartskunst. Die Betreiber*innen der Räume arbeiten überwiegend in prekären Verhältnissen und bringen viel Energie für Selbstorganisation auf, in dem die Vernetzung mit anderen Räumen für Wissen und Ressourcen selbstverständlich und zentral ist. Die Kunstinitiativen haben über die Jahrzehnte ein hohes Maß an Stabilität entwickelt, sind aber ein vulnerables System, dass schnell zusammenbrechen kann.
Abschließend lässt sich feststellen, dass eine langfristige und angemessene Förderstrategie in viele Bereichen Abhilfe schaffen würde. Mit einer finanziellen Sicherheit könnten die Betreiberinnen sich auf die Zweckerfüllung ihrer Räume konzentrieren -Ausstellungen ausrichten und vermitteln. Die Betreiber*innen wie auch die Künstlerinnen könnten angemessen bezahlt werden und die finanzielle Entspannung würde zu einer Steigerung der Qualität führen. Dies strahlt in die Stadtgesellschaft zurück und macht die Stadt lebenswerter.


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