Di–Fr, 13-19 Uhr / Sa, 13-16 Uhr
Aduni Ogunsan beschäftigt sich in ihren großformatigen und farbstarken Gemälden mit Personen ihres persönlichen Umfelds, also mit Familienmitgliedern, mit Freundinnen und Freunden und Gruppen ihres sozialen Alltags. Ausgangspunkt dafür ist die Auseinandersetzung mit einem Fotoalbum der Familie aus einer Zeit vor Ogunsans Geburt. Es zeigt Personen, die sie zwar nicht eindeutig identifizieren kann, zu denen sie aber eine persönliche Verbindung sieht, der sie nachspürt. In ihrer Suche nach möglichen Wurzeln bieten die Fotovorlagen der Künstlerin einen Möglichkeitsraum für die Ausformulierung einer eigenen Geschichte.
Andere Arbeiten stellen Schwarze und Queere Verstrickungen dar. Hierbei sieht sich die Künstlerin als Zeitzeugin. Es ist Ogunsan ein Anliegen, auf den politischen Rechtsruck zu reagieren und queeren Schwarzen Stimmen Sichtbarkeit zu geben. Die Arbeiten halten alltägliche Momente der Community fest und untermalen deren Präsenz in der Gegenwart.
Die gemalten Alltagssituationen wirken echt, nicht inszeniert – vertraut und fremd zugleich. Das persönliche Interesse der Künstlerin und ihre Verbundenheit zu den Dargestellten springt über auf ein Publikum, das wie selbstverständlich in die Gruppe der überlebensgroßen Figuren integriert wird.
„The Hum Of Your Rhythm” spielt auf dieses erspürte Gemeinschaftsgefühl an, das mit einer nonverbalen, als Gruppe erlebten niedrigfrequenten Resonanz verglichen werden kann, deren Schwingungen sich auf alle beteiligten Körper übertragen.
Aduni Ogunsan ist Malerin mit einem besonderen Verhältnis zum Material Textil. Einerseits ist es Bildträger als Leinwanduntergrund der Acrylgemälde, textile Erweiterung des Bildraums wie auch Basis der monochromen Samtprägungen. Andererseits übernehmen gemusterte Kleidungsstücke der porträtierten Personen eine identitätsstiftende Rolle. Deren Kleidung ist kein Zufall. Sie enthält Informationen über den Träger, über Selbstinszenierung, über kulturelle Aneignung und Neuerfindung.
Die Textilien, die Aduni Ogunsan nutzt, sind keine neutralen Materialien. Sie begreift Stoffe nicht als Dekoration, sondern als Träger von Erinnerung, als Zeugnisse globaler Verflechtungen, als Archive, die neu gelesen und überschrieben werden können. Samt hat eine eigene Handelsgeschichte – er wurde über Jahrhunderte entlang globaler Routen gehandelt, von Asien nach Europa, von Europa nach Afrika. Und die Muster, die sie aufgreift, erzählen ihrerseits Geschichten von der Einführung des niederländischen Wax Prints in Westafrika, von Batik-Techniken und von der überraschenden Tatsache, dass dieser Stoff, der heute als so typisch afrikanisch gilt, weder in Afrika hergestellt noch dort entworfen wurde.