Di–Fr, 13-19 Uhr / Sa, 13-16 Uhr
Gezeigt werden Arbeiten und Material von und zu Astrid Klein, Bernard Schultze, Blinky Palermo, Chris Reinecke, Claes Oldenburg, Cosima von Bonin, Howard Kanovitz, Jutta Koether, Oskar Lee, Otto Piene, Pure Rave, Sigmar Polke, Tanino Liberatore u. v. m.
Das, was Baldischwyler für die Kölner artothek ortsspezifisch collagiert, ist eine historische Schichtung auf Basis signierter Editionen verschiedener Künstler*innen, die er entlang einer Art persönlichen Kanons mit seinen Arbeiten kombiniert.
Ein Ausgangspunkt für seine Installation ist William Gibsons Text „The Recombinant City“, der 1996 als Vorwort für die Neuausgabe von Samuel R. Delanys Science-Fiction-Roman „Dhalgren“ geschrieben wurde. Für Gibson war damals klar, dass sich niemand unter fünfunddreißig an das singuläre kulturelle Setting erinnerte, in dem Delanys Roman von 1969 bis circa 1974 entstand. Gibson fasst dieses kulturelle Setting als eine Stadt ohne festen Ort: „Viele […] bogen eines Tages um eine Ecke und fanden sie vor sich ausgebreitet: ein Gebiet unaussprechlicher Möglichkeiten, ein Ort, an den man sich aus keinem Traum erinnerte. Wir würden feststellen, dass es auch dort Regeln gab – aber es waren andere Regeln.“ Delanys Buch ist keine verblichene Karte, sondern Teil einer vorgezogenen Reflexion des „amerikanischen Jahrhunderts“.
Die kulturelle Hegemonie des „amerikanischen Jahrhunderts“ zeigte sich auch im „Great Graphic Boom“ der 1960er- und 1970er-Jahre. Editionen, spezialisierte Druckwerkstätten und neue Vertriebswege vervielfachten sich. Editionen waren dabei auch ein ökonomischer Faktor: Kunst wurde erschwinglicher, konnte breiter zirkulieren und neue Käufer*innen erreichen. In diesem Umfeld entstanden Ende der 1960er- und in den 1970er-Jahren in der Bundesrepublik zahlreiche Artotheken. Artotheken stellten dieser Marktlogik eine andere Form der Zugänge gegenüber: Werke zirkulieren, ohne den Besitzer zu wechseln.
In „COLOAN“ greift Baldischwyler eben diese Grundlagen auf. Der Titel führt auch ins Monetäre: Das englische Wort „loan“ bedeutet auf Deutsch Kredit, Darlehen oder Leihgabe. Von hier aus fragt Baldischwyler, was Besitz überhaupt bedeutet, wenn an seine Stelle der virtuelle Zugriff tritt. Mit dieser Verschiebung verändern sich auch die Strukturen der Kontrolle. Wo konzentriert sich Hegemonie heute – und was bleibt lesbar, wenn die Entstehungskontexte im binären Code nivelliert werden? Indexikalität ist für Baldischwyler nicht nur eine semiotische, sondern auch eine medienökonomische Kategorie:
Die Spur war einst Besitz, Besitz war Verwertbarkeit; digitale Verfügbarkeit bricht diese Logik auf und verlagert den Wert auf Plattformen.