Javkhlan Ariunbold thematisiert in ihrer Diplomausstellung das Aufeinanderprallen diametral entgegengesetzter Umgangsformen mit der Natur – von traditionell und achtsam bis ausbeutend und zerstörerisch.

Die Nomaden der Mongolei sind eng mit der Natur und der Landschaft verbunden und kennen die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen der Tier- und Pflanzenwelt, zwischen der Landschaft und der Witterung und den Jahreszeiten. Sie glauben daran, dass jeder Ort, jeder Berg und alle Flüsse von Schutzgöttern bewohnt werden, die einen respektvollen Umgang gebieten. Auf der anderen Seite werden in vielen Ländern hochmoderne Technologien entwickelt, von künstlicher Intelligenz und Elektroautos über Smartphones bis hin zu Hochleistungscomputern und Raumschiffen. Doch all diese Technologien benötigen Rohstoffe, die nicht erneuerbar sind, und der Mensch braucht zunehmend mehr davon.

Javkhlan Ariunbold untersucht das Aufeinanderprallen zweier diametral entgegengesetzter Umgangsformen mit der Natur: die traditionelle, respektvolle Achtung und Bewahrung der Natur durch die nomadische Bevölkerung auf der einen Seite und die kapitalistisch bedingte Zerstörung durch Politik und Industrie auf der anderen. Die Künstlerin konzentriert sich auf den grundlegenden menschlichen Glauben an die Natur und erforscht in ihrer Videoinstallation "Ovoo" die Rituale, die bis heute in ihrer Heimat Mongolei praktiziert werden, um mit Naturgottheiten zu kommunizieren und um Vergebung zu bitten. Die Mongolen glauben, dass Naturgottheiten wie Lus, der Wassergott, menschliche Handlungen und Gedanken beobachten – niemand kann der Bestrafung oder dem Fluch eines erzürnten Gottes entkommen. Die Künstlerin begleitete eine Familie bei einem jährlichen Ritual in der Wüste Gobi, wo derzeit große multinationale Konzerne Bodenschätze abbauen.