Peter Ablinger wird die Deutzer Brücke an gleich mehreren Orten in Szene setzen. Zentral ist die Arbeit „Public Litany“ im Hohlraum der Brücke. Angelehnt an das Konzept der Litanei, des Wechselgesangs, das sich in vielen Kulturen findet, tritt das Publikum in einen gesprochenen „Call & Response“-Dialog unter Anleitung eines/einer PerformerIn. Bis zu drei Kleingruppen wandeln so sprechend/hörend durch die Brücke, die sich gegenseitig begegnen. Der gemeinsame Sprechgesang dient, so Ablinger, der akustischen Aktivierung des Raumes, wobei die Vokale eine besondere Rolle spielen. Wie bei einer Auskultation, dem Abhören eines Körpers, lässt sich die Innenraumarchitektur zugleich kollektiv und intim/individuell wahrnehmen. „Public Litany“ ist eine Prozession, eine Prozedur, ein künstlerischer Prozess, an dem das Publikum direkt beteiligt ist.

Eine Sound-Installation von Peter Ablinger in der Garage der Deutzer Brücke, dem Eingang, Empfangsbereich und Vorbereitungsraum an der Markmannsgasse, nimmt zusätzlich Bezug auf „Public Litany“, indem sie Verbindungen zwischen Vokalklängen und elektronisch produziertem Rauschen herstellt. Sie funktioniert genauso als Einstimmung auf die Litanei wie als Vertiefung des Erlebten vor dem Verlassen der Brücke.

Peter Ablinger, geb. 1959, besuchte zunächst eine Grafikschule in Linz, bevor er Jazzklavier und Komposition in Graz und Wien studierte. Seit 1982 lebt er in Berlin. Als Querdenker zwischen klanglichen und visuellen Erscheinungsformen genießt Peter Ablinger internationales Ansehen. 2010 erhielt er den Deutschen Klangkunstpreis. Peter Ablinger sieht sich einem erweiterten Musikbegriff verbunden. Seine Installationen, „musikalischen Situationen“ und konzeptuellen Kompositionen schärfen die Aufmerksamkeit und die Wahrnehmung und stellen Bezüge zwischen Klang, Musik und Wirklichkeit her. Er untersucht die Grundbedingungen des Hörens und bezieht dabei alle möglichen Parameter einer Situation in eine Arbeit ein – von Raum und Institution über Interpret*innen, Aufführungsritual und Publikumserwartung, bis zu physischen und psychischen Voraussetzungen des Hörens und Wahrnehmungsprozessen. Je nach Raum und Situation kann seine Arbeit ganz unterschiedliche Form annehmen – etwa als Installation, Instrumental-Performance, elektronische Arbeit oder gar als Hinweisstück, das nur aus einer schriftlichen Anweisung besteht und die Musik im Kopf des Publikums entstehen lässt.

2019 feiert die Klangkunstreihe BRÜCKENMUSIK, die seit 1995 einmal jährlich in der Deutzer Brücke stattfindet, ihr 25-jähriges Jubiläum.